Senior adult having a virtual doctor consultation on a tablet with medications on the table., tags: deutschland digitale - pexel

Rezepte werden digital in Deutschland

Deutschlands Gesundheitssystem verändert sich leise, aber stetig. Ärztinnen und Ärzte verschreiben längst nicht mehr nur Tabletten oder Therapiesitzungen – sie verschreiben auch zertifizierte Gesundheits-Apps. Diese digitalen Tools heißen Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA). Für viele Patientinnen und Patienten in ganz Deutschland beginnt die Behandlung heute nicht mehr nur in der Praxis, sondern auch direkt auf dem Smartphone zu Hause.

Von der Praxis zum Download-Code

Jede DiGA muss strenge nationale Vorgaben erfüllen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) prüft jede Anwendung genau. Entwicklerinnen und Entwickler müssen den medizinischen Nutzen belegen. Außerdem müssen sie technische Zuverlässigkeit und umfassenden Datenschutz garantieren. Erst dann wird die App ins offizielle DiGA-Verzeichnis aufgenommen.

Ist die App zugelassen, ist der Ablauf einfach: Eine Ärztin, ein Arzt oder eine Psychotherapeutin bzw. ein Psychotherapeut stellt ein Rezept aus. Die Patientinnen und Patienten reichen es bei ihrer gesetzlichen Krankenkasse ein. Die Kasse stellt einen Code aus, mit dem die App kostenlos heruntergeladen werden kann. Das System orientiert sich an den gewohnten Versorgungswegen in Deutschland.

Die Zahl der zugelassenen Apps nimmt weiter zu. Über fünfzig DiGAs sind aktuell von den gesetzlichen Krankenkassen erstattungsfähig. Die meisten haben eine dauerhafte Zulassung, weil ihr Langzeitnutzen belegt ist. Andere bleiben vorerst auf Probe gelistet, bis weitere Studien abgeschlossen sind. Digitale Therapien sind längst keine Experimente mehr – sie werden zum festen Bestandteil der Versorgung.

Unterstützung bei psychischen und chronischen Erkrankungen

Psychische Gesundheits-Apps machen die größte Gruppe aus. Über zwei Dutzend Apps richten sich an Menschen mit Depressionen, Angststörungen, Panik oder Stress. Sie bieten strukturierte Übungen und geführte Module. Viele enthalten Fortschrittstracking und tägliche Erinnerungen. Diese Funktionen helfen euch, auch zwischen den Terminen am Ball zu bleiben.

Chronische körperliche Erkrankungen sind ein weiterer Schwerpunkt. Mehrere Apps unterstützen Menschen mit Typ-2-Diabetes oder Adipositas. Andere helfen euch, Bluthochdruck mithilfe digitaler Tagebücher besser im Blick zu behalten. Ihr könnt eure Gewohnheiten dokumentieren und Fortschritte nachverfolgen. Die Tools motivieren zu einem langfristigen, gesünderen Lebensstil.

Auch bei Rücken- und Gelenkbeschwerden gibt es digitale Angebote. Geführte Übungen für zu Hause sollen die Beschwerden sicher lindern. Weitere Programme richten sich an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, neurologische oder urogenitale Krankheiten. Einige Apps unterstützen euch bei Tinnitus, Endometriose oder krebsbedingter Fatigue. Für viele in Deutschland werden diese digitalen Begleiter zu wichtigen Bausteinen im Alltag.

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